Zum ethischen Bewertungsstandard des IDC

Bewertung im Kontext von Technik-Ökonomie-Ethik

Herausforderung (ambulanter) Versorgung in der Zukunft

  • Wertschöpfung an der medizinischen Wertschöpfungskette wird technisierter (z. B. AAL)
  • Ökonomie als Umgang mit knappen Ressourcen nimmt zu, d. h. Management von Interaktionssystemen gewinnt an Bedeutung
  • Gesundheitsversorgung, insbesondere Langzeitpflege, bleibt „personenorientierte“ Dienstleistung; Medizinangebote sollen Lebensqualität und Souveränität stärken
  • Infolge der demographischen Entwicklung verändert sich sowohl die
    • Finanzierungsfähigkeit des sozialen Sicherungssystems als auch
    • die Fähigkeit „aktiv“ Pflegeleistungen zu garantieren („Pflegelücke“)
Der demographische Wandel
Pflegequoten2005

Die ethische Herausforderung

Organisatorische Verortung durch die Ethikkommission der Diakonie Neuendettelsau
  • Medizinisches und pflegerisches Handeln ist als personenorientierte Dienstleistung unmittelbar mit der Individualität des behandelten Menschen konfrontiert.
  • Forschung, die daran orientiert sein soll, medizinische Ergebnisse hinsichtlich ihrer Qualität, ihrer Effizienz und ihrer ethischen Reflexion zu bewerten, ist dabei einer dreifachen Herausforderung ausgesetzt:
    • Die Frage der Bewertung der Qualität einer medizinischen/pflegerischen Maßnahme setzt an der zielgenauen Erfassung der Effekte an.
    • Die ökonomische Kategorie kann sowohl individuell als auch gesellschaftlich orientiert sein, verknüpft aber immer den Gedanken, eingesetzte Ressourcen effizient zu nutzen und Anreizsysteme adäquat zu gestalten.
  • Die ethische Fragestellung resultiert letztendlich daran, die Konsequenzen der Forschung sowohl individualethisch – Stärkung der Souveränität des einzelnen – als auch sozialethisch – Verantwortung innerhalb der Gesellschaft – zu definieren.
  • Ziele der Forschung des IDC sind daher:
    • Versorgungskonzepte zur Steigerung der Lebensqualität
    • Souveränität in veränderten Lebenswelten als ethischer Imperativ!

Der ethische Standard

Die Forschungsaktivitäten am IDC sind orientiert am Prinzip des “Action Research” (vgl. Meyer, BMJ, 2000). Jeder Forscher arbeitet daher mit und für die Menschen, denen mit der Forschungsaktivität geholfen werden kann. Drei Wesensmerkmale sollen daher festgehalten werden:

  • Die Forschung am IDC erfolgt partizipativ mit dem Menschen
  • Die Forschung am IDC ist vom Nutzerprofil orientiert und wird für und mit dem Nutzer implementiert
  • Die Forschung will eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation der Nutzer erreichen.

Orientiert an diesem qualitativen Forschungsanstz gelten folgende Implikationen für einen ethischen Verhaltenscodex (in Anlehnung an Lynn et. al. Ann Intern. Med. 2007):

Sozialer Wert Die Ergebnisse müssen sich vor den eingesetzten Ressourcen und der Qualität legitimieren
Wissenschaftliche Gültigkeit Jeder Forschungsansatz folgt einem methodischen Vorgehen
Teilnehmerwahl Prinzipien der Freiwilligkeit und der Würde sind zu wahren
Partizipation Alle Teilnehmer einer Forschungsaktivität am Menschen sind informativ und mitgestaltend zu integrieren
Unabhängigkeit Der Forschungsansatz muss im Lichte der methodischen Stringenz ausgelotet sein, eine begleitende Evaluation ist erforderlich
Lebensqualität Forschung mit Menschen dient der Lebensqualität: z. B. AAL-Anwendungen
Ethische Qualitätssicherung: Ethikkommission der Diakonie Neuendettelsau

Anwendungsbeispiel: AAL-Anwendungen

Anwendungsbeispiel: AAL-Anwendungen